MARKUS PROSCHEK
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Markus Proschek
Boris Manner

Wann ist Malerei Kunst und aus welchen Gründen? Diese Frage mag wohl einen möglichen Zugang zu den Arbeiten von Markus Proschek anzeigen. Anfangs befällt manchen von uns vielleicht ein Unbehagen beim Betrachten dieser Bilder. Ohne dass wir die Motive derselben je im Original gesehen haben wissen wir doch sofort wessen Geistes Kinder sie sind.

Die scheinbar stereotyp vorgestellten nackten Körper hängen zwar nicht in den Schauräumen der Museen und Sammlungen. Verschämt füllen sie Depots und Kellerräume. Dennoch fallen uns Namen wie Thorak und Ziegler ein. Maler die wir mit diesen Motiven assoziieren. „Künstler“ die im Dienst des Nationalsozialismus gleichsam programmatisch ästhetische Konzepte entwickelten und vorstellten. Auf eigentümliche Weise behaupten diese immer noch eine vorbewusste Präsenz in unserem kollektiven Bildgedächtnis. Die scheinbare Harmlosigkeit der Sujets – Akte in gefrorenen Stellungen werden immer wieder dargestellt – und die Formelhaftigkeit der Motive waren wahrscheinlich der Grund diese gestalterischen Lösungen als schlechte Malerei oder Bildhauerei einzustufen. Dadurch schienen sie in ihrer Wirkungsgeschichte entschärft zu sein.

Aber vielleicht sind diese Werke gar nicht so harmlos wie sie durch ihre ästhetische Bewertung zu sein scheinen. Repräsentieren diese vielleicht einen Aspekt der Menschenvernichtung des Nationalsozialismus – das Bild des neu zu „züchtenden“ Menschen?

Markus Proschek befragt diese Relikte unserer immer noch verdrängten „Sinnesgeschichte“. Er malt diese Motive noch ein Mal in einer aufwändigen Lasurtechnik. Er ist sich aber der Gefahr dieser Evokation des Verdrängten wohl bewusst. Wie leicht kann dieser „Nachgang“ doch in einer Affirmation enden.

Dies umgeht der Künstler indem er die Bildsprache der „Vorbilder“ mit Zitaten des Hyperrealismus und der Installation bricht. In dieser Brechung durch eine motivische Collage zeigt sich der Riss zwischen Programmkunst und freiem Gestalten in einem Werkgefüge. Markus Proschek leistet dadurch einen erhellenden Beitrag zur Frage nach der ästhetischen Struktur des Faschismus.

Boris Manner, Kurator